Verweisende Domains: die Kennzahl richtig lesen
Verweisende Domains sind die Zahl der unterschiedlichen Websites, die auf dich verlinken – nicht die Zahl der Links. Der Unterschied klingt klein, entscheidet aber darüber, ob deine Linkanalyse etwas taugt. Dieser Leitfaden zeigt, wie du die Kennzahl liest: das Verhältnis zu den Backlinks, gesunde Wachstumsmuster und den Umgang mit verlorenen Domains.
Abgrenzung: Hier geht es um die Kennzahl im Alltag – ihre Auswertung, Verläufe und Fallstricke. Wie Domain-, Link- und IP-Popularität als Maße definiert sind, steht unter Domainpopularität.
1. Backlinks und verweisende Domains
Ein Beispiel macht den Unterschied greifbar. Zwei Websites, beide mit 1.000 Backlinks:
| Website A | Website B | |
|---|---|---|
| Backlinks | 1.000 | 1.000 |
| Verweisende Domains | 12 | 430 |
| Links pro Domain | 83 | 2,3 |
| Einschätzung | Wenige Quellen, oft site-weite Footer- oder Sidebar-Links | Breite Streuung, typisch für verdiente Links |
Für Google ist B deutlich stärker. Der Grund liegt in der Funktionsweise der Linkbewertung: Der erste Link von einer neuen Domain trägt am meisten, jeder weitere von derselben Quelle deutlich weniger. Wer 83 Links von einer Domain hat, hat effektiv wenig mehr als einen.
Deshalb gilt: Verweisende Domains sind die aussagekräftigere Zahl. Die Backlink-Zahl allein ist eine Eitelkeitsmetrik – sie lässt sich mit einem einzigen site-weiten Footer-Link in die Zehntausende treiben.
2. Das Verhältnis als Diagnose
Interessant wird es, wenn man beide Zahlen gegeneinander stellt. Links geteilt durch verweisende Domains ergibt eine Kennzahl, die viel über die Herkunft eines Profils verrät:
| Links je Domain | Typische Ursache | Bewertung |
|---|---|---|
| 1 bis 3 | Redaktionelle Erwähnungen | Gesund |
| 4 bis 10 | Mehrfachnennungen, Blogrolls, Partnerseiten | Unauffällig |
| 11 bis 50 | Site-weite Elemente wie Footer oder Sidebar | Genauer hinsehen |
| über 50 | Widgets, Templates, gekaufte Platzierungen | Warnsignal |
Ein hoher Wert ist kein Beweis für Manipulation – ein beliebtes Theme mit Credit-Link im Footer erzeugt dasselbe Muster. Aber er ist immer ein Grund, sich die Quellen einzeln anzusehen.
3. Wachstumsmuster lesen
Der Verlauf über die Zeit sagt mehr als jeder Momentwert. Drei Muster tauchen regelmäßig auf:
- Stetiges Wachstum. Kontinuierlich neue Domains, kleine Ausschläge bei Veröffentlichungen. Das Normalbild einer aktiven Website.
- Sprunghafter Anstieg. Hunderte neue Domains in wenigen Tagen. Bei einer echten Pressewelle plausibel – sonst ein Hinweis auf gekaufte Links.
- Stagnation bei steigenden Backlinks. Die Linkzahl wächst, die Domainzahl nicht: Es kommen nur weitere Links aus bereits bekannten Quellen dazu. Der Zuwachs ist praktisch wirkungslos.
Das dritte Muster ist das gefährlichste, weil es in Berichten nach Erfolg aussieht. Nur der Blick auf die Domainzahl entlarvt es.
4. Nach Qualität segmentieren
Eine reine Anzahl verweisender Domains ist noch keine Analyse. Aussagekräftig wird sie erst, wenn du sie aufteilst. Vier Schnitte, die sich in der Praxis bewährt haben:
| Schnitt | Frage dahinter |
|---|---|
| Nach dofollow/nofollow | Wie viele Domains geben überhaupt Wert weiter? |
| Nach thematischer Nähe | Kommen die Links aus deinem Themenfeld oder aus beliebigen Ecken? |
| Nach Linkplatzierung | Stehen die Links im Inhalt oder in Footer und Verzeichnissen? |
| Nach Erstkontakt | Wie viele Domains sind in den letzten 12 Monaten neu dazugekommen? |
Besonders nützlich ist die Kombination aus thematischer Nähe und Platzierung: 40 fachlich passende Domains mit Kontextlinks sind mehr wert als 400 beliebige Verzeichniseinträge. Die Rohzahl verschweigt genau das.
5. Verlorene Domains einordnen
Jedes Linkprofil verliert laufend Domains – Seiten werden überarbeitet, Artikel gelöscht, Firmen schließen. Ein Verlust von einigen Prozent im Jahr ist normal und kein Anlass zur Sorge.
Bevor du reagierst, prüfe die Ursache. Sie ist häufig banal:
- Die verlinkende Seite existiert nicht mehr. Nichts zu tun.
- Der Link wurde aus dem Text entfernt. Eine höfliche Nachfrage lohnt sich, wenn die Erwähnung noch dasteht.
- Der Link zeigt jetzt auf eine 404-Seite bei dir. Der häufigste selbstverschuldete Fall – per 301 auf das passende Ziel umleiten.
- Der Link wurde auf
nofollowgesetzt. Meist eine Richtlinienänderung der Quelle. - Das Werkzeug hat die Quelle nur nicht mehr gecrawlt. Kein echter Verlust, sondern eine Lücke im Index des Anbieters.
Der lohnendste Fall ist Nummer 3: Ein externer Link zeigt auf eine URL, die es bei dir nicht mehr gibt. Diese Links sind bereits verdient – du musst sie nur wieder auf ein gültiges Ziel führen. Nach jedem Relaunch ist das die schnellste Rückgewinnung überhaupt.
6. Gegen den Wettbewerb messen
Ein absoluter Wert sagt wenig. Erst der Vergleich mit den Websites, die für dieselben Suchanfragen ranken, macht ihn brauchbar. Sinnvolles Vorgehen:
- Drei bis fünf echte Wettbewerber aus den Suchergebnissen wählen – nicht die Wettbewerber aus dem Vertrieb.
- Verweisende Domains vergleichen, nicht Backlinks.
- Die Schnittmenge bilden: Domains, die auf mehrere Wettbewerber verlinken, aber nicht auf dich. Das ist die konkreteste Zielliste, die eine Linkanalyse liefern kann.
- Zuwachs pro Monat vergleichen statt Gesamtbestand – das zeigt, wer gerade aufholt.
Liegst du bei der Domainzahl gleichauf und rankst trotzdem schlechter, ist Linkaufbau nicht dein Engpass. Dann lohnt der Blick auf Inhalt, Suchintention und interne Struktur.
7. Warum jedes Werkzeug andere Zahlen zeigt
Dieselbe Website hat bei drei Anbietern drei verschiedene Domainzahlen. Das ist kein Fehler, sondern unvermeidlich:
- Unterschiedliche Indizes. Jeder Anbieter crawlt einen anderen Ausschnitt des Webs.
- Unterschiedliche Aktualität. Manche halten Links monatelang, andere entfernen sie schnell.
- Unterschiedliche Filter. Was als Spam gilt und aussortiert wird, entscheidet jeder selbst.
- Der Linkbericht der Search Console zeigt Googles eigene Sicht, aber gekürzt und ohne Qualitätsangaben.
Konsequenz für die Praxis: Nutze ein Werkzeug für Verläufe und bleib dabei. Wer die Quelle wechselt, misst einen Sprung, der nur ein Wechsel der Messmethode ist.
Profi-Tipp: Bevor du eine verweisende Domain in einem Bericht abhakst, ruf die
verlinkende Seite auf. Rank-O-Saur zeigt dir dort, ob die Seite indexierbar ist, wie viele Links sie
insgesamt ausgibt und welches rel-Attribut dein Link trägt. Eine nicht indexierbare Seite
mit 200 ausgehenden Links zählt in jeder Statistik als verweisende Domain – und bringt
nichts.
8. Häufige Fehler
- Backlinks statt Domains berichten. Die größere Zahl sieht besser aus und sagt weniger.
- Auf die Domainzahl optimieren. Wer eine Zahl zum Ziel macht, landet bei billigen Verzeichnissen – viele Domains, kein Effekt.
- Zahlen verschiedener Werkzeuge vergleichen. Unterschiedliche Indizes, unvergleichbare Ergebnisse.
- Jeden Verlust als Problem behandeln. Natürliche Fluktuation ist normal; nur 404-Ziele sind ein echter Handlungspunkt.
- Nofollow-Domains mitzählen, ohne es zu kennzeichnen. Verzerrt jede Auswertung.
- Die Schnittmengen-Analyse auslassen. Sie ist der wertvollste Teil eines Wettbewerbsvergleichs und wird am häufigsten übersprungen.
9. Checkliste
- Verweisende Domains statt Backlinks als Leitkennzahl berichten.
- Verhältnis Links je Domain berechnen und auffällige Werte prüfen.
- Verlauf über mindestens zwölf Monate betrachten.
- Nach dofollow/nofollow, Thema und Platzierung segmentieren.
- Verlorene Domains auf 404-Ziele prüfen und per 301 zurückholen.
- Drei bis fünf echte Wettbewerber gegenüberstellen.
- Schnittmenge der Wettbewerber-Domains als Zielliste bilden.
- Bei einem Werkzeug bleiben, um Verläufe vergleichbar zu halten.
- Neue Domains pro Monat als Fortschrittsmaß nutzen.
10. Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Backlinks und verweisenden Domains?
Backlinks zählen alle einzelnen Links, verweisende Domains nur die unterschiedlichen Websites dahinter. Verlinkt eine Domain 500-mal über ihren Footer, sind das 500 Backlinks, aber eine verweisende Domain. Die Domainzahl ist deshalb die aussagekräftigere Kennzahl.
Wie viele verweisende Domains brauche ich?
Es gibt keine allgemeingültige Zahl. Maßgeblich ist der Vergleich mit den Websites, die für deine Suchanfragen ranken. Liegst du bei vergleichbarer Domainzahl und rankst schlechter, liegt der Engpass nicht bei den Links, sondern beim Inhalt.
Sind mehrere Links von derselben Domain nutzlos?
Nicht nutzlos, aber stark abnehmend im Wert. Der erste Link von einer Domain trägt am meisten, jeder weitere deutlich weniger. Zehn Links von zehn Domains sind daher wesentlich wirksamer als zehn Links von einer.
Ist es schlimm, wenn ich verweisende Domains verliere?
Ein gewisser Schwund ist normal, weil Seiten überarbeitet oder gelöscht werden. Handlungsbedarf besteht vor allem, wenn der Link auf eine 404-Seite bei dir zeigt – dann holt eine Weiterleitung auf das passende Ziel den Link zurück.
Warum zeigen Werkzeuge unterschiedliche Zahlen?
Weil jeder Anbieter einen eigenen Index mit eigener Abdeckung, Aktualität und Spam-Filterung betreibt. Keine der Zahlen ist Googles Sicht. Für Verläufe solltest du deshalb dauerhaft dasselbe Werkzeug verwenden.
Zählen nofollow-Links als verweisende Domains?
In den meisten Werkzeugen ja, sie werden mitgezählt. Für die Bewertung solltest du dofollow und nofollow aber getrennt betrachten, weil nur erstere Wert weitergeben. Ein Profil mit hohem nofollow-Anteil wirkt in der Rohzahl stärker, als es ist.
Wie finde ich neue Linkquellen über diese Kennzahl?
Über die Schnittmenge: Ermittle Domains, die auf mehrere deiner Wettbewerber verlinken, aber nicht auf dich. Diese Quellen verlinken nachweislich in deinem Themenfeld und sind die aussichtsreichsten Kandidaten für eine Kontaktaufnahme.