Link-Attribute: rel-Werte richtig einsetzen

Das rel-Attribut beschreibt die Beziehung zwischen der aktuellen Seite und dem Linkziel. Drei seiner Werte steuern, ob Ranking-Signale weitergegeben werden, zwei betreffen die Sicherheit, weitere haben rein semantische Bedeutung. Dieser Leitfaden ist die vollständige Referenz mit Entscheidungsbaum, Codebeispielen und den Kombinationsregeln.

1. Was ist das rel-Attribut?

rel steht für „relationship" und ist bei zwei HTML-Elementen zulässig:

  • <a> und <area> – für Links im Dokumentkörper.
  • <link> – für Beziehungen im <head>, etwa canonical oder alternate.

Mehrere Werte werden durch Leerzeichen getrennt, die Reihenfolge ist bedeutungslos, und unbekannte Werte werden ignoriert:

<a href="https://example.com" rel="sponsored nofollow noopener">Anzeige</a>

2. Die drei Werte, die Suchmaschinen steuern

Wert Seit Gedacht für Signalweitergabe
nofollow 2005 Links, für die du nicht bürgen willst In der Regel keine
sponsored 2019 Bezahlte Links, Werbung, Affiliate Keine
ugc 2019 Nutzergenerierte Inhalte, Kommentare, Foren In der Regel keine

nofollow entstand 2005 als Antwort auf Kommentarspam. 2019 hat Google die Aufteilung in drei Werte eingeführt, um die Art der Beziehung genauer erfassen zu können. Für dich als Betreiber ändert das wenig an der Wirkung, aber viel an der Aussagekraft: sponsored dokumentiert nachvollziehbar, dass eine Platzierung bezahlt war.

3. Hinweis statt Anweisung: die Umstellung 2020

Seit dem 1. März 2020 behandelt Google alle drei Werte als Hinweise, nicht als strikte Anweisungen. Google kann sie also berücksichtigen oder ignorieren – sowohl beim Crawling als auch beim Ranking.

Was das praktisch bedeutet:

  • Ein nofollow-Link kann gecrawlt werden. Vorher war nofollow auch eine Crawling-Direktive.
  • nofollow ist kein Indexierungsschutz. Er war es nie zuverlässig, jetzt noch weniger. Wer verhindern will, dass eine Seite indexiert wird, braucht noindex.
  • nofollow ist kein Crawl-Budget-Werkzeug. Dafür ist ausschließlich robots.txt geeignet – siehe Crawl-Budget.

Kein Ersatz für Zugriffsschutz: rel-Werte sind Empfehlungen an wohlgesinnte Crawler. Sie halten niemanden von einer URL ab. Vertrauliche Bereiche brauchen serverseitige Authentifizierung.

4. Entscheidungsbaum: welcher Wert wann

Vier Fragen, in dieser Reihenfolge:

  1. Wurde für die Platzierung etwas gezahlt oder getauscht? Geld, Waren, kostenlose Produkte, Gegenlinks – alles zählt. → rel="sponsored". Pflicht, nicht Kür.
  2. Hat ein Nutzer den Link erzeugt? Kommentar, Forenbeitrag, Profilfeld, Bewertungstext. → rel="ugc", optional plus nofollow.
  3. Willst du für das Ziel inhaltlich nicht bürgen? Quellenangabe zu einer Website, die du nicht empfiehlst, Link auf ein Beispiel für schlechte Praxis. → rel="nofollow".
  4. Sonst: kein rel-Attribut. Redaktionelle Links sollen Signale weitergeben – das ist der Normalfall und keine Verschwendung.
<!-- 1. Bezahlte Platzierung -->
<a href="https://partner.example.com" rel="sponsored">Partnerangebot</a>

<!-- 2. Nutzerkommentar -->
<a href="https://example.org" rel="ugc nofollow">Quelle aus dem Kommentar</a>

<!-- 3. Quellenangabe ohne Empfehlung -->
<a href="https://beispiel-fuer-schlechte-praxis.example" rel="nofollow">
  dieses Negativbeispiel
</a>

<!-- 4. Redaktioneller Link: kein rel-Attribut -->
<a href="/de/wiki/backlinks">Leitfaden zu Backlinks</a>

Interne Links: Setze intern grundsätzlich kein nofollow. Der Anteil eines nofollow-Links wird nicht umverteilt, sondern verfällt – du verschenkst also eigene Linkkraft. Die Begründung dazu steht im Abschnitt zu PageRank-Sculpting im Leitfaden Linkjuice & Link Equity.

5. Sicherheitsattribute: noopener und noreferrer

Diese beiden haben mit SEO nichts zu tun, gehören aber in jede Link-Referenz:

Wert Wirkung SEO-Effekt
noopener Die geöffnete Seite erhält keinen Zugriff auf window.opener Keiner
noreferrer Unterdrückt den Referer-Header Keiner für das Ranking, aber Traffic erscheint beim Ziel als „direct"

Ohne noopener kann eine per target="_blank" geöffnete Seite über window.opener auf das ursprüngliche Fenster zugreifen – das ist die Grundlage von Tabnabbing-Angriffen. Moderne Browser setzen bei target="_blank" inzwischen implizit noopener. Explizit zu setzen bleibt sinnvoll für ältere Browser und als lesbare Absicht im Code:

<a href="https://example.com" target="_blank" rel="noopener">Externe Quelle</a>

Wichtige Abgrenzung: noreferrer hat für dein eigenes Ranking keine Bedeutung, aber eine praktische Nebenwirkung: Das Ziel sieht dich nicht mehr als Verweisquelle. Wenn du Partnern zeigen willst, dass du Traffic lieferst, verwende nur noopener.

6. rel-Werte im head-Bereich

Diese Werte gehören zum <link>-Element und beschreiben Dokumentbeziehungen:

Wert Zweck Von Google genutzt?
canonical Bevorzugte URL bei mehreren Varianten Ja, als Hinweis
alternate + hreflang Sprach- und Länderversionen Ja
alternate + type RSS- oder Atom-Feed Für Feed-Discovery
prev / next Paginierte Serien Nein, seit 2019 nicht mehr ausgewertet
preload, preconnect, dns-prefetch Performance-Hinweise an den Browser Indirekt über die Ladezeit
icon, manifest Favicon und Web-App-Manifest Favicon erscheint in den Suchergebnissen
<head>
  <link rel="canonical" href="https://example.com/de/schuhe">
  <link rel="alternate" hreflang="en" href="https://example.com/en/shoes">
  <link rel="alternate" hreflang="de" href="https://example.com/de/schuhe">
  <link rel="alternate" hreflang="x-default" href="https://example.com/en/shoes">
  <link rel="alternate" type="application/rss+xml" href="/feed.xml">
  <link rel="icon" type="image/svg+xml" href="/favicon.svg">
</head>

Details zu den beiden wichtigsten: Canonical Tag und Sprache & Hreflang. Zu prev/next: Der Standard ist nicht falsch und für Barrierefreiheit weiter sinnvoll, aber als SEO-Maßnahme wirkungslos.

7. Semantische rel-Werte

Diese Werte beschreiben Bedeutung, ohne das Crawling zu beeinflussen:

  • rel="author" – kennzeichnet den Link zum Autor. Googles Authorship-Programm mit Autorenfoto in den Ergebnissen wurde 2014 eingestellt; das Attribut bleibt gültiges HTML und ist als semantische Auszeichnung sinnvoll. Die maschinenlesbare Autorenzuordnung läuft heute über strukturierte Daten.
  • rel="me" – „diese Seite gehört mir". Wird für Identitätsverifikation genutzt, unter anderem von Mastodon.
  • rel="license" – verweist auf die Lizenz des Inhalts.
  • rel="external" – markiert einen externen Link. Rein informativ, kein Suchmaschineneffekt.
  • rel="help", rel="search", rel="bookmark" – Dokumentbeziehungen mit begrenzter praktischer Relevanz.

Ein häufiges Missverständnis: rel="external" bewirkt nicht, dass ein Link nicht gewertet wird. Wer das will, braucht nofollow.

8. Kombinationen und Syntaxregeln

  • Mehrere Werte, ein Attribut. Richtig ist rel="sponsored noopener". Zwei rel-Attribute an einem Element sind ungültig; der Browser wertet nur das erste.
  • Leerzeichen trennen, nicht Kommas. rel="ugc,nofollow" ist falsch und wird als ein unbekannter Wert gelesen.
  • Groß- und Kleinschreibung ist irrelevant, Kleinschreibung ist Konvention.
  • Sinnvolle Kombinationen: sponsored mit nofollow für maximale Deutlichkeit; ugc nofollow bei Kommentaren; noopener immer zusammen mit target="_blank".
  • Widersprüchlich: sponsored und ugc gleichzeitig – ein Link ist entweder bezahlt oder von Nutzern erzeugt.

9. Häufige Fehler

  1. Bezahlte Links ohne sponsored. Der folgenreichste Fehler – Richtlinienverstoß und in Deutschland zusätzlich ein wettbewerbsrechtliches Kennzeichnungsthema.
  2. Internes nofollow zur Steuerung. Vernichtet eigene Linkkraft ohne Gegenwert.
  3. nofollow statt noindex. Verhindert keine Indexierung.
  4. Pauschales nofollow auf alle externen Links. Sinnvolles Verlinken auf Quellen ist ein Qualitätsmerkmal, kein Risiko.
  5. target="_blank" ohne noopener. Vermeidbares Sicherheitsrisiko in älteren Browsern.
  6. noreferrer bei Partnerlinks. Der Partner sieht deinen Traffic dann nicht.
  7. Zwei rel-Attribute an einem Link. Meist durch Plugins verursacht, die ein bestehendes Attribut nicht erweitern, sondern ein zweites anfügen.
  8. prev/next als SEO-Maßnahme. Kostet Aufwand ohne Ranking-Wirkung.

10. Prüfen und testen

  • Im gerenderten DOM prüfen, nicht im Quelltext. Consent-Tools und Plugins ergänzen rel-Werte teils erst per JavaScript. Was zählt, ist das Ergebnis nach dem Rendering.
  • Crawl mit rel-Spalte. Ein eigener Crawl zeigt alle Links mit ihren Attributen und macht Muster sichtbar – etwa pauschales nofollow in einem Template.
  • Affiliate-Module gezielt prüfen. Affiliate-Links werden oft über Redirect-Skripte ausgeliefert; prüfe, ob am sichtbaren <a>-Element sponsored steht.
  • HTML-Validierung. Der W3C-Validator meldet doppelte Attribute und ungültige Syntax.

11. Checkliste

  1. Alle bezahlten und Affiliate-Links auf sponsored prüfen.
  2. Kommentar- und Forenlinks auf ugc prüfen.
  3. Interne nofollow-Attribute suchen und entfernen.
  4. Prüfen, ob ein Template pauschal nofollow auf externe Links setzt.
  5. Alle target="_blank"-Links auf noopener prüfen.
  6. noreferrer bei Partner- und Quellenlinks entfernen, wenn Attribution gewünscht ist.
  7. Doppelte rel-Attribute per HTML-Validierung finden.
  8. Komma-getrennte rel-Werte korrigieren.
  9. Selbstreferenzierenden canonical auf allen indexierbaren Seiten sicherstellen.
  10. hreflang-Verweise auf Wechselseitigkeit prüfen.
  11. rel="prev" und rel="next" nicht als SEO-Maßnahme einplanen.
  12. Attribute im gerenderten DOM verifizieren, nicht nur im Quelltext.

Profi-Tipp: Rank-O-Saur zeigt für jeden Link auf der Seite die gesetzten rel-Attribute. So findest du nicht gekennzeichnete Affiliate-Links, internes nofollow und fehlendes noopener direkt im Browser – im gerenderten Zustand, also inklusive der Attribute, die erst per JavaScript ergänzt werden.

12. Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen nofollow, sponsored und ugc?

Alle drei signalisieren, dass ein Link keine Ranking-Signale weitergeben soll, beschreiben aber verschiedene Gründe: sponsored für bezahlte Platzierungen, ugc für nutzergenerierte Inhalte, nofollow als allgemeine Form für Links, für die du nicht bürgen willst.

Verhindert nofollow, dass eine Seite indexiert wird?

Nein. nofollow bezieht sich auf die Signalweitergabe, nicht auf die Indexierung. Seit 2020 ist es zudem nur ein Hinweis, sodass Google dem Link trotzdem folgen kann. Um Indexierung zu verhindern, brauchst du noindex.

Soll ich intern nofollow einsetzen?

Nein. Der Anteil eines nofollow-Links wird nicht auf die übrigen Links umverteilt, sondern verfällt. Du verschenkst damit eigene Linkkraft. Wenn ein interner Link keinen Wert hat, entferne ihn stattdessen.

Brauche ich noopener bei target="_blank" noch?

Moderne Browser setzen es inzwischen implizit. Explizit zu setzen bleibt sinnvoll für ältere Browser und weil die Absicht dann im Code sichtbar ist. Ein SEO-Effekt ist damit nicht verbunden.

Was macht rel="noreferrer" mit meinem Tracking?

Es unterdrückt den Referer-Header, sodass die Zielseite den Besuch als direkten Zugriff sieht. Für dein eigenes Ranking ist das ohne Bedeutung, aber Partner können dann nicht erkennen, dass der Traffic von dir kommt.

Wertet Google rel="prev" und rel="next" noch aus?

Nein, Google hat 2019 mitgeteilt, dass diese Angaben schon länger nicht mehr für die Indexierung genutzt werden. Für Paginierung genügen normale Links auf die Folgeseiten. Für Barrierefreiheit können die Angaben weiterhin sinnvoll sein.

Kann ich mehrere rel-Werte kombinieren?

Ja, mehrere Werte werden in einem einzigen rel-Attribut durch Leerzeichen getrennt, etwa rel="sponsored noopener". Zwei separate rel-Attribute am selben Element sind ungültig, und Kommas als Trennzeichen sind falsch.

Muss ich Affiliate-Links kennzeichnen?

Ja, mit rel="sponsored" – das verlangen Googles Spam-Richtlinien. Unabhängig davon besteht in Deutschland eine wettbewerbsrechtliche Pflicht, bezahlte Inhalte für Nutzer sichtbar als Werbung zu kennzeichnen. Bei konkreten Kooperationen ist eine rechtliche Prüfung angeraten.

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Christoph Hein, Head of SEO und Search Consultant
Über den Autor

Christoph Hein

Head of SEO bei der Popken Fashion Group & unabhängiger Search Consultant

Christoph ist seit über 10 Jahren im Bereich Search tätig und steuert derzeit die Organic-Strategie für 5 Modemarken in 13 Ländern und mehr als 30 Domains. Neben seiner Inhouse- und Beratungsarbeit hat er Nischen-Content-Portale wie Angelmagazin.de und BaristaCompass.com gegründet und die Rank-O-Saur-Erweiterung entwickelt, um technische SEO-Audits mühelos zu machen. Jeder Leitfaden hier basiert auf praxisnaher, datengetriebener Arbeit statt auf Theorie.