Weiterleitungen: 301, 302 und Redirect-Ketten verstehen
Eine Weiterleitung sagt Browser und Suchmaschine: „Diese URL ist umgezogen, nimm stattdessen jene." Das klingt trivial, ist aber der Ort, an dem bei fast jedem Relaunch Rankings verloren gehen. Dieser Leitfaden erklärt jeden relevanten Statuscode, wann welcher richtig ist, wie viel Linkkraft unterwegs verloren geht und welche fünf Fehler am häufigsten Traffic kosten.
1. Was eine Weiterleitung technisch ist
Eine serverseitige Weiterleitung ist eine HTTP-Antwort mit einem Statuscode aus der 3xx-Familie
und einem Location-Header, der auf die Zieladresse zeigt. Der Browser folgt dem Header
automatisch und lädt das Ziel. Google folgt bis zu zehn Weiterleitungen pro Kette, bevor es aufgibt.
Wichtig ist die Unterscheidung, wo die Weiterleitung passiert: serverseitig (der Server antwortet
sofort mit 3xx), im HTML (<meta http-equiv="refresh">) oder per JavaScript
(window.location). Nur die erste Variante ist ohne Einschränkung suchmaschinentauglich, weil
sie erkannt wird, bevor überhaupt Inhalt geladen ist.
2. Die Statuscodes im Vergleich
| Code | Bedeutung | Methode bleibt? | SEO-Verhalten |
|---|---|---|---|
| 301 | Dauerhaft verschoben | Kann sich zu GET ändern | Signale gehen auf das Ziel über; Ziel ersetzt die Quelle im Index |
| 308 | Dauerhaft, Methode erhalten | Ja | Wie 301, aber POST bleibt POST – relevant für APIs und Formulare |
| 302 | Vorübergehend gefunden | Kann sich zu GET ändern | Quelle bleibt im Index; als dauerhafter Ersatz falsch |
| 307 | Vorübergehend, Methode erhalten | Ja | Wie 302 mit erhaltener Methode; auch durch HSTS erzwungen |
| meta refresh | Client-Weiterleitung im HTML | – | Wird verarbeitet, aber schwächer und langsamer; vermeiden |
| JS-Redirect | location per Skript |
– | Erst nach dem Rendering sichtbar; unsicher |
Für 99 % aller SEO-Fälle ist die Antwort 301: eine Seite ist dauerhaft umgezogen, und die alte Adresse soll durch die neue ersetzt werden. 302 und 307 sind ausschließlich für echte, kurzlebige Zustände gedacht – etwa eine Wartungsseite oder eine geolokalisierte Zwischenstation.
Der teuerste Verwechslungsfehler: Ein 302 statt eines 301 bei einem dauerhaften Umzug. Google behält dann die alte URL im Index, weil es sie für vorübergehend hält. Rankings bleiben an einer URL hängen, deren Inhalt nicht mehr existiert. Prüfe nach jedem Umzug den tatsächlich gesendeten Code – nicht das, was das CMS zu tun behauptet.
3. 301 oder Canonical? Der entscheidende Unterschied
Beide bündeln Signale auf eine Ziel-URL, aber sie tun grundverschiedene Dinge:
- Ein 301 entfernt die alte URL. Nutzer und Bots landen zwangsweise auf dem Ziel, die Quelle ist nicht mehr erreichbar.
- Ein Canonical ist nur ein Hinweis. Beide URLs bleiben erreichbar und ausliefbar; Google darf die kanonische bevorzugen, muss aber nicht.
Faustregel: Soll die alte Seite verschwinden, nimm 301. Sollen beide Seiten aus gutem Grund existieren (Druckansicht, Parameter-Variante, identisches Produkt in zwei Kategorien), nimm den Canonical. Beides gleichzeitig auf dieselbe URL ist widersprüchlich und ein häufiger Auslöser für Duplicate-Content-Verwirrung.
4. Wie viel Linkkraft eine Weiterleitung kostet
Lange galt die Regel: Ein 301 verliert etwa 15 % Link Equity, analog zum Dämpfungsfaktor im PageRank. Google hat später kommuniziert, dass bei einem 301 auf ein thematisch passendes Ziel praktisch kein PageRank verloren geht. Beides lässt sich versöhnen:
| Situation | Effektiver Signalübergang |
|---|---|
| 301 auf eng verwandtes Ziel | Nahezu vollständig |
| 301 auf grob unpassendes Ziel | Wird oft als Soft-404 behandelt – Signale verfallen |
| 301-Kette über mehrere Sprünge | Jeder Sprung ist ein Verlustrisiko und verzögert das Crawling |
| Weiterleitung aller alten URLs auf die Startseite | Massenhafter Signalverlust; gilt als Soft-404 |
Die praktische Konsequenz ist eindeutig: Leite jede alte URL auf ihr spezifisches Gegenstück weiter, nicht pauschal auf die Startseite. Gibt es kein Gegenstück, ist ein sauberer 404 oder 410 die ehrlichere und für die Index-Hygiene bessere Antwort.
5. Ketten und Schleifen
Eine Redirect-Kette ist eine Weiterleitung auf eine Weiterleitung: A → B → C. Jeder zusätzliche Sprung kostet Ladezeit, verbraucht Crawl-Budget und erhöht das Risiko, dass unterwegs Signale verloren gehen. Ab fünf Sprüngen wird es kritisch, ab zehn bricht Google ab.
Eine Redirect-Schleife ist der Sonderfall, bei dem die Kette auf sich selbst zurückzeigt: A
→ B → A. Der Browser meldet ERR_TOO_MANY_REDIRECTS, die Seite ist für niemanden
erreichbar. Typische Ursachen sind widersprüchliche Regeln für HTTP/HTTPS, für Slash/kein-Slash oder für
www/nicht-www.
Regel: Ketten immer auflösen, nie verlängern. Zeigt A auf B und B auf C, ändere die Regel für A direkt auf C. Nach einem Relaunch entsteht die längste Kette meist aus alten, nie aufgeräumten Weiterleitungen früherer Umzüge, die sich mit den neuen stapeln.
6. Die vier Standard-Normalisierungen
Vier Weiterleitungen sollte jede Website serverseitig und einheitlich erzwingen, damit jede Ressource unter genau einer URL erreichbar ist:
- HTTP → HTTPS. Alles Unverschlüsselte auf die sichere Variante.
- www → nicht-www (oder umgekehrt) – eine Variante festlegen und die andere weiterleiten.
- Trailing Slash. Konsistent mit oder ohne abschließenden Schrägstrich, nie beides.
- Groß-/Kleinschreibung.
/Seiteund/seitesollten nicht zwei Adressen sein.
Ohne diese Normalisierung entstehen bis zu 24 erreichbare Varianten derselben Seite – ein Musterfall für URL-Probleme und aufgeblähtes Crawling.
7. Entscheidungsbaum: welcher Code wann
| Situation | Richtige Antwort |
|---|---|
| Seite dauerhaft umgezogen, Gegenstück existiert | 301 |
| Domainumzug oder Relaunch | 301 pro URL auf das Pendant |
| Formular/POST-Endpunkt dauerhaft verschoben | 308 |
| Kurzzeitige Wartungs- oder Kampagnenseite | 302 oder 307 |
| Seite ersatzlos entfernt, kommt wieder | 404 (nicht weiterleiten) |
| Seite ersatzlos und endgültig entfernt | 410 |
| Vergriffenes Produkt, Kategorie existiert | 301 auf die Kategorie – nur bei enger Verwandtschaft |
8. Die fünf teuersten Fehler
- Alles auf die Startseite leiten. Der Klassiker beim Relaunch. Google wertet es als Soft-404, die Signale der alten Seiten verfallen.
- 302 statt 301 bei dauerhaftem Umzug. Die alte URL bleibt im Index, die neue kommt nicht hoch.
- Interne Links auf Weiterleitungen zeigen lassen. Jeder interne Link sollte direkt auf das Endziel führen – siehe interne Verlinkung.
- Ketten stapeln. Alte Weiterleitungen nach dem nächsten Umzug nicht auf das neue Endziel umschreiben.
- hreflang- oder Canonical-Ziele weiterleiten. Ein hreflang-
oder Canonical-Verweis sollte auf eine
200-URL zeigen, nie auf eine Weiterleitung.
9. Weiterleitungen prüfen
Verlasse dich nie auf das, was der Browser dir am Ende zeigt – er verschluckt Zwischenschritte. Prüfe die tatsächliche Antwortkette:
- Kommandozeile:
curl -sIL https://beispiel.de/altzeigt jeden Sprung mit Statuscode undLocation-Header. - Search Console: Die URL-Prüfung meldet, welche URL Google als kanonisch gewählt hat und ob eine Weiterleitung im Weg steht.
- Eigener Crawl: listet interne Links, die auf
3xx-Ziele zeigen, und deckt Ketten flächendeckend auf.
Profi-Tipp: Rank-O-Saur zeigt für jeden Link auf der Seite den Statuscode direkt an
– interne Links auf 301/302 und Ketten fallen so beim normalen Surfen
auf, ohne dass du jede URL einzeln durch ein Tool schickst.
10. Checkliste
- Dauerhafte Umzüge senden
301(bzw.308bei POST). - Jede alte URL zeigt auf ihr spezifisches Gegenstück, nicht auf die Startseite.
- Keine Kette länger als ein Sprung; bestehende Ketten aufgelöst.
- Keine Schleifen (
ERR_TOO_MANY_REDIRECTS). - HTTP→HTTPS, www, Trailing Slash und Groß-/Kleinschreibung serverseitig normalisiert.
- Interne Links zeigen direkt auf das Endziel.
- Canonical- und hreflang-Ziele liefern
200, keine Weiterleitung. - Kein
302für dauerhafte Umzüge. - Seiten ohne Ersatz liefern ehrlich
404/410statt einer erzwungenen Weiterleitung.
11. Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen 301 und 302?
301 signalisiert einen dauerhaften Umzug: Die alte URL wird durch die neue ersetzt und die Signale gehen über. 302 signalisiert einen vorübergehenden Zustand: Die alte URL bleibt im Index. Für einen echten Umzug ist 301 richtig, 302 wäre ein Fehler.
Verliere ich bei einem 301 Rankings?
Bei einer Weiterleitung auf ein thematisch eng passendes Ziel geht praktisch kein PageRank verloren. Ranking-Verluste entstehen meist nicht durch den 301 selbst, sondern durch unpassende Ziele, Sammelweiterleitungen auf die Startseite oder lange Ketten.
Wie lange muss ich eine Weiterleitung bestehen lassen?
Mindestens ein Jahr, besser dauerhaft. Google braucht Zeit, um die neue URL vollständig zu übernehmen. Entfernst du den 301 zu früh, laufen alle alten Verweise und verbliebenen Bots ins Leere.
Soll ich vergriffene Produkte weiterleiten?
Nur, wenn es ein eng verwandtes Ziel gibt – etwa den Nachfolgeartikel oder die passende Kategorie. Gibt es keins, ist ein 404 oder 410 richtig. Alle Produkte pauschal auf die Startseite zu leiten, wertet Google als Soft-404.
Ist eine Meta-Refresh-Weiterleitung schlecht für SEO?
Sie ist die schwächste Variante. Google verarbeitet sie zwar, aber langsamer und weniger zuverlässig als einen serverseitigen 301. Für dauerhafte Umzüge immer den HTTP-301 verwenden, nie einen Meta-Refresh.
Was ist ein 308 und wann brauche ich ihn?
Ein 308 ist wie ein 301 dauerhaft, erhält aber die HTTP-Methode. Bei einem GET-Aufruf verhält er sich identisch zum 301. Relevant wird er, wenn ein POST-Endpunkt – etwa ein Formular oder eine API – dauerhaft umzieht und die Methode erhalten bleiben muss.
Wie finde ich Redirect-Ketten auf meiner Website?
Ein vollständiger Crawl listet jede interne URL mit ihrer Antwortkette. Prüfe zusätzlich mit
curl -sIL einzelne Verdachtsfälle. Ziel ist, dass jede Weiterleitung in genau einem
Sprung auf eine 200-URL führt.